{"id":537,"date":"2022-03-30T13:07:22","date_gmt":"2022-03-30T11:07:22","guid":{"rendered":"http:\/\/127.0.0.1\/iml\/?page_id=537"},"modified":"2022-04-01T13:34:51","modified_gmt":"2022-04-01T11:34:51","slug":"100-geburtstag-d-schachner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.iml.rwth-aachen.de\/?page_id=537","title":{"rendered":"100-Geburtstag-D.Schachner"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"537\" class=\"elementor elementor-537\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-2e1dca3d elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"2e1dca3d\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-4ec42b46\" data-id=\"4ec42b46\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-6218bde6 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"6218bde6\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div>\u00a0<\/div><div><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-540 aligncenter\" src=\"http:\/\/test.iml.rwth-aachen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Schachner.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"271\" \/><\/div><p>Doris Schachner (bis 1938 Doris Korn) wurde am 30.5.1904 in Zwickau geboren. Sie geh\u00f6rte zu den ersten M\u00e4dchen, die nach dem ersten Weltkrieg auf der Liselotte Schule in Mannheim eine vollst\u00e4ndige Realgymnasialausbildung mit dem Abitur abschlie\u00dfen konnte. Von 1923 bis 1928 folgte das Studium der Mathematik und Naturwissenschaften an den Universit\u00e4ten Heidelberg, Freiburg und Innsbruck mit dem Berufsziel \u201eH\u00f6heres Lehramt\u201c, 1928 erfolgte die Staatspr\u00fcfung in den F\u00e4chern Chemie, Physik, Mathematik und Philosophie. Im gleichen Jahr promovierte sie an der Universit\u00e4t Heidelberg in den F\u00e4chern Geologie, Mineralogie und Chemie mit der Arbeit \u201eTektonische und gef\u00fcgeanalytische Untersuchungen im Grundgebirge des B\u00f6llsteiner Odenwaldes\u201c.<\/p><p>Ein Jahr nach Abschlu\u00df ihres Studiums kam sie 1929 an die TH Aachen, wo sie zun\u00e4chst eine Stelle als Hilfsassistentin bei Professor Paul Ramdohr am Mineralogischen Institut erhielt. Angeregt durch die Arbeiten ihres Innsbrucker Lehrers Professor Bruno Sander und ihres Lehrers in Heidelberg, Professor Ludwig R\u00fcger befa\u00dfte sie sich in Aachen neben ihrer T\u00e4tigkeit in der Lehre insbesondere mit der gef\u00fcgeanalytischen Betrachtungsweise an Erzen. Durch die von ihr neu entwickelten methodischen Grundlagen gilt sie als Begr\u00fcnderin der Erzgef\u00fcgekunde.<\/p><p>Nach f\u00fcnf Assistentenjahren habilitierte sie sich 1933 an der TH Aachen, Fakult\u00e4t f\u00fcr Stoffwirtschaft mit den Abteilungen Bergbau, H\u00fcttenkunde und Chemie f\u00fcr die F\u00e4cher Mineralogie, Petrographie und Lagerst\u00e4ttenlehre. Die wesentlichen Ergebnisse ihrer Habilitationsarbeit wurden als selbst\u00e4ndiges Kapitel \u201eDie Lagebestimmung opaker Erze im Mikroskop\u201c in Band 1 des Lehrbuches von Paul Ramdohr und Hans Schneiderh\u00f6hn ver\u00f6ffentlicht. Bis zur Berufung auf den Aachener Mineralogischen Lehrstuhl im Jahre 1949 sollten 16 Jahre vergehen!<\/p><p>Trotz ihrer Qualifikation erhielt sie weder eine volle Assistentenstelle noch einen Lehrauftrag, da die einzige Stelle eines planm\u00e4\u00dfigen Assistenten seit 1923 durch Bergassessor Hans Ehrenberg, dem sp\u00e4teren Institutsdirektor und Aachener Rektor besetzt war. Das Ministerium hatte 1933 den Unterricht im Fach Mineralogie sehr stark eingeschr\u00e4nkt, was den Lehrstuhlinhaber Paul Ramdohr 1934 dazu bewog, den Ruf auf den wesentlich besser ausgestatteten Lehrstuhl f\u00fcr Mineralogie und Petrographie an der Humboldt-Universit\u00e4t in Berlin anzunehmen. Neuer Lehrbeauftragter f\u00fcr Mineralogie wurde Leo Koch: Er war 1934 nach seiner Habilitation aus K\u00f6ln gekommen und erhielt ab 1.4.1935 die planm\u00e4\u00dfige Assistentenstelle am Mineralogischen Institut in Aachen; im Herbst 1936 lie\u00df er sich an die Universit\u00e4t Teheran beurlauben. Ehrenberg, seit Dezember 1934 neuer Institutsdirektor legte gegen den Wechsel keinen Widerspruch ein, obwohl er ihn als \u201eden besten Dozenten f\u00fcr Mineralogie und Lagerst\u00e4ttenlehre\u201c hielt, der \u201eauch die chemische Seite des Faches beherrschte\u201c. Kochs Vertrag mit Teheran war zun\u00e4chst auf drei Jahre begrenzt, wurde dann aber mit Zustimmung der deutschen Stellen um drei Jahre verl\u00e4ngert. Er schied 1943 offiziell aus dem Aachener Lehrk\u00f6rper aus und blieb seither verschollen.<\/p><p>Nach dem Weggang von Koch wurde Doris Korn 1937 mit der Verwaltung einer planm\u00e4\u00dfigen Assistentenstelle beauftragt. An den Hochschulen gab es gro\u00dfe Nachwuchsprobleme und der neue Ordinarius f\u00fcr Mineralogie hatte vergeblich versucht, einen geeigneten m\u00e4nnlichen Bewerber f\u00fcr die Assistentenstelle zu finden! Er selbst konnte seinen Lehraufgaben nicht mehr in vollem Umfang nachkommen, da er durch seine T\u00e4tigkeiten im Dozentenbund voll engagiert war.<\/p><p>Doris Korn trat nicht in die NSDAP ein. 1939 heiratete sie Benno Schachner, den Aachener Ordinarius f\u00fcr Technischen Ausbau aus der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur und Bauwesen. Im April desselben Jahres erhielt Doris Schachner vom Ministerium einen offizellen Lehrauftrag f\u00fcr das Fachgebiet Bildung und Bewertung von Minerallagerst\u00e4tten &#8211; wiederum stand kein m\u00e4nnlicher Bewerber zur Verf\u00fcgung! &#8211; Nach Ausbruch des Krieges mu\u00dfte sie vertretungsweise sowohl die Leitung des Instituts f\u00fcr Mineralogie und Lagerst\u00e4ttenlehre als auch f\u00fcr Geologie und Pal\u00e4ontologie \u00fcbernehmen, da die Institutsdirektoren Hans Ehrenberg und Karl Rohde zum Kriegsdienst eingezogen wurden; sie hatte aber als Frau keine Aussichten auf Ernennung zum Ordinarius. Schon bald mu\u00dfte das Fach Mineralogie nahezu eingestellt werden. Hans Ehrenberg wurde 1941 vom Kriegsdienst freigestellt, um das Amt des Rektors zu \u00fcbernehmen. Infolge seiner politischen T\u00e4tigkeiten im Dozentenbund und als sp\u00e4terer Rektor konnte er sich jedoch selbst kaum noch der Forschung und Lehre widmen.<\/p><p>Gegen Ende des Krieges wurden viele Aachener Institute an unterschiedliche Pl\u00e4tze in Deutschland verlagert: Das Mineralogische Institut in die N\u00e4he von Dillenburg, das Metallh\u00fctteninstitut nach Schw\u00e4bisch-Gm\u00fcnd und die Bergbauabteilung nach La Calamine in Belgien.<\/p><p>In den Kriegsjahren 1941 bis 1945 war Doris Schachner in Br\u00fcnn t\u00e4tig. Ihr Mann &#8211; Professor Benno Schachner &#8211; hatte schon 1939 den Kriegsbefehl erhalten, in Br\u00fcnn den Lehrstuhl f\u00fcr Baukonstruktion zu \u00fcbernehmen. Frau Schachner blieb noch bis 1941 in Aachen, um neben der Verwaltung beider Institute auch die Lehr- und Pr\u00fcfungsverpflichtungen in beiden F\u00e4chern zu \u00fcbernehmen. 1941 erhielt sie &#8211; als einzige Hochschullehrerin der Technischen Hochschule Br\u00fcnn &#8211; einen Lehrauftrag im Mineralogischen Institut.<\/p><p>Anfang 1945 konnte Doris Schachner noch kurz vor dem Einmarsch der Russen Br\u00fcnn verlassen. Mit ihrer zwei Jahre alten Tochter Melitta erreichte sie \u00fcber Wien und W\u00fcrzburg das St\u00e4dtchen Sommerhausen, wo sie das Ende des Krieges erlebte. Benno Schachner mu\u00dfte zun\u00e4chst in Br\u00fcnn bleiben, doch auch ihm gelang es im April 1945 mit dem Fahrrad die Stadt zu verlassen und auf Umwegen \u00fcber Passau Ende Mai nach Sommerhausen zu gelangen.<\/p><p>In Aachen hatte man schon kurz nach Kriegsende mit dem Wiederaufbau der Hochschule begonnen: Rektor Ehrenberg \u00fcbergab die Leitung der TH Aachen an Dr. Geller, Privatdozent der H\u00fcttenkunde und am 23. August 1945 beauftragte der Oberpr\u00e4sident der Nordrhein-Provinz den Professor der Metallh\u00fcttenkunde, Paul R\u00f6ntgen, als kommissarischen Rektor mit der F\u00fchrung der laufenden Rektorats- und Verwaltungsgesch\u00e4fte. Paul R\u00f6ntgen hatte bald herausgefunden, da\u00df Doris Schachner noch rechtzeitig Br\u00fcnn verlassen konnte und in Sommerhausen war. Er bem\u00fchte sich, in Aachen zun\u00e4chst die Bereiche Bergbau und Bauingenieurwesen wiederaufzubauen; zahlreiche \u00e4ltere Kriegsteilnehmer dr\u00e4ngten zur Hochschule, um das unterbrochene Studium m\u00f6glichst rasch abzuschlie\u00dfen und in die Praxis zu gehen. Professor Hellmut Fritzsche &#8211; als einer der anerkanntesten deutschen Bergbauwissenschaftler 1931 auf den Aachener Lehrstuhl f\u00fcr Bergbaukunde berufen &#8211; hatte Ende 1945 wieder die Leitung dieses Instituts \u00fcbernommen. Er bat Frau Schachner sehr eindringlich, den Lehrbetrieb in Mineralogie und Lagerst\u00e4ttenlehre wiederaufzunehmen und Pr\u00fcfungen abzuhalten.<\/p><p>Im Januar 1946 kam Doris Schachner zun\u00e4chst alleine in Aachen an, nach abenteuerlicher Fahrt mit Lastkraftwagen und Bummelzug, und ebenso \u201eabenteuerlich gekleidet\u201c in der Hose ihres Mannes und fast ohne Gep\u00e4ck!<\/p><p>Das Institut mu\u00df schrecklich ausgesehen haben: In der Decke des ehemaligen Arbeitszimmers im Bergbaugeb\u00e4ude steckten noch die Brandbomben, die Heizung funktionierte nicht und zu essen gab es auch nichts. Vor Hunger bildeten sich eitrige Flecken an den H\u00e4nden, aber dies hinderten Doris Schachner nicht daran, mit dem Vorlesungs- und \u00dcbungsbetrieb zu beginnen. Die Studenten hatten schon bald ein Kanonen\u00f6fchen aufgetrieben, auch ein Ofenrohr und zwei Kniest\u00fccke hatte man gefunden. Die Montage \u00fcbernahm J\u00fcrgen Springorum, einer der ersten in Aachen wieder aufgetauchten Bergbaustudenten (nach dessen Gro\u00dfvater Friedrich ist die Aachener Springorum-Denkm\u00fcnze f\u00fcr besondere Studienleistungen benannt). Nur ein dringend ben\u00f6tigtes drittes Knie f\u00fcr das Ofenrohr war nirgends zu finden! Doris Schachner stellte nun den ersten Bewilligungsantrag an Magnifizenz R\u00f6ntgen, dem es dann auch mit Hilfe seiner Beziehungen zur Besatzungsmacht gelang, dieses Problem zu l\u00f6sen.<\/p><p>1946 wurde Doris Schachner zun\u00e4chst zur kommissarischen Leiterin des Aachener Mineralogischen Instituts ernannt, 1949 erfolgte die Ernennung zum Ordentlichen Professor und einige Jahre sp\u00e4ter zum Direktor des Instituts. Leider wissen wir nur sehr wenig \u00fcber die damaligen Berufungsvorg\u00e4nge. Ihren sp\u00e4teren Assistenten erz\u00e4hlte sie nur ungern \u00fcber die Intrigen in der Fachabteilung f\u00fcr Bergbau, zu der auch die Institute f\u00fcr Mineralogie und Geologie geh\u00f6rten. Wir konnten nur vermuten, da\u00df die Entscheidung \u00fcber die Berufung letztendlich von Christine Teusch selbst, der damaligen Wissenschaftsministerin, gegen den Willen einiger Kollegen getroffen worden ist. Ihre Studenten und ihre Kollegen der H\u00fcttenkunde haben diese Entscheidung sicher voll mitgetragen.<\/p><p>Doris Schachner pa\u00dfte seinerzeit nicht in das \u00fcbliche Schema der Frau im Beruf. Konnte man doch noch in den 50er Jahren in den Bl\u00e4ttern der Berufskunde folgendes lesen: \u201eDas rationale Denken, die unbedingte geistige Selbst\u00e4ndigkeit und ein sehr gro\u00dfes Ma\u00df auch an physischer Arbeitskraft sind Voraussetzungen, die es vielen Frauen erschwert, im Hochschullehrerberuf erfolgreich zu sein.\u201c<\/p><p>Frau Professor Schachner hat dies gr\u00fcndlich widerlegt. Als sie vor einigen Jahren von einer den Frauenrechtlerinnen nahestehenden Journalistin auf diese Frage angesprochen wurde, sagte sie ohne z\u00f6gern: \u201eIch habe nie Probleme mit den M\u00e4nnern gehabt.\u201c Als junge Assistenten haben wir uns oft gefragt: Wie schafft man dieses Arbeitspensum? Direktor eines gro\u00dfen Instituts mit 16 Wochenstunden Lehrverpflichtung &#8211; in jedem Semester schriftliche und m\u00fcndliche Pr\u00fcfungen f\u00fcr Bergleute und H\u00fcttenleute, deren Zahl damals weit \u00fcber hundert je Fach und Studienjahr lag &#8211; Durchf\u00fchrung kleiner und gro\u00dfer Exkursionen &#8211; verantwortliche T\u00e4tigkeit in Fachabteilung, Fakult\u00e4t und Senat &#8211; langj\u00e4hrige Senatsbeauftragte f\u00fcr Fragen der Studienstiftung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Auslandsamtes der Hochschule. Und nebenbei noch Familie mit einer enorm aktiven und lernbegierigen Tochter!<\/p><p>F\u00fcr ihre Bergbaustudenten und Assistenten waren die \u201eDoris-Exkursionen\u201c H\u00f6hepunkte der Aachener Studienzeit, zumal sie stets einen beachtlichen Anteil \u201eStudium Generale\u201c enthielten. Und oft war es in der Vorbereitungsphase nicht einfach, in N\u00e4he eines besonders interessanten Tempelbezirkes auch eine Erzlagerst\u00e4tte zu finden. \u201eDoris\u201c verstand es meisterhaft, mit jungen Leuten Feste zu feiern und dabei auch manches anstehende Problem auf einfache Weise zu er\u00f6rtern und zu l\u00f6sen. Ihre Trinkfestigkeit war bei Berg- und H\u00fcttenleuten sprichw\u00f6rtlich: In der Institutschronik findet man hierzu folgende Eintragung: \u201eDoch trank sie niemals Bier wie wir &#8211; nur Korn und Korn und Weinebrand und war darum als Doris Doppelkorn bekannt.\u201c<\/p><p>Das Dritte Reich, der 2. Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre pr\u00e4gten auch Doris Schachner. Unter schwierigsten Verh\u00e4ltnissen begann sie 1946 mit dem Wiederaufbau des Instituts, das sie bis zu ihrer Emeritierung 1972 leitete. Sie regte ihre Studenten (Bergingenieure, seit den 60iger Jahren auch Mineralogen und Geologen) zu wissenschaftlicher Arbeit und Promotion an, insbesondere zur lagerst\u00e4ttenkundlichen Bearbeitung wichtiger Erzdistrikte im In- und Ausland und zu experimentellen Untersuchungen. In vorbildlich liberaler Weise hat sie ihren langj\u00e4hrigen Wissenschaftlichen Assistenten die Habilitation und den Aufbau selbst\u00e4ndiger Lehr- und Forschungsgebiete erm\u00f6glicht.<\/p><p>Sie hat sich mit ganzem Herzen den Aufgaben in der Lehre gewidmet und ihre ganze Energie auf deren Erfordernisse konzentriert, und hat es verstanden, Generationen von Studenten f\u00fcr ihr Fachgebiet zu begeistern. Vor allem bei den Lagerst\u00e4ttenexkursionen in viele europ\u00e4ische Bergbaul\u00e4nder vermittelte sie die F\u00e4higkeit zur kritischen Beobachtung und die Freude am Sammeln von Erzen und Mineralien. Dies geschah schon kurz nach Ende des Krieges, als weder die Kollegen der Geologie noch des Bergbaus und der H\u00fcttenkunde Exkursionen ins Ausland organisierten, um den Nachwuchs auf die M\u00f6glichkeiten internationaler T\u00e4tigkeit vorzubereiten. Zur Freude von Doris und ihrer Studenten erhielt ihr Institut in der Regel am Jahresende nicht ausgegebene Exkursionsmittel der anderen Lehrst\u00fchle. Dadurch war es auch m\u00f6glich, die j\u00e4hrlichen Zusch\u00fcsse aus dem Klockmann-Fonds niedrig zu halten und das Stiftungskapital kontinuierlich aufzustocken. Dieser, 1928 von Professor Ramdohr und Freunden der Mineralogie aus Anla\u00df des 70. Geburtstages von Professor Klockmann eingerichtete Fonds zur Unterst\u00fctzung von Studenten bei Exkursionen, wurde nach der W\u00e4hrungsreform und dem nahezu vollst\u00e4ndigen Kapitalverlust allm\u00e4hlich wieder aufgebaut, insbesondere durch das Engagement der Vorstandsvorsitzenden des Eschweiler Bergwerksvereins, der die Fondsverwaltung \u00fcbernommen hatte.<\/p><p>1962 \u00fcbernahm sie den Vorsitz des Senatsausschusses f\u00fcr das Akademische Auslandsamt der RWTH Aachen. Ihrer Initiative war die Einf\u00fchrung einer Fachlichen Sprachpr\u00fcfung, das Mentorenprogramm und der Ausbau der Personalstellen des Auslandsamtes zu verdanken. W\u00e4hrend ihrer Amtszeit brach 1969 die \u201eSalonrevolution\u201c der ausl\u00e4ndischen Studenten an der RWTH Aachen aus: In einer abendlichen Spontanaktion besetzten sie das rote Haus in der Pontstra\u00dfe, das ohnehin schon das ihre war, n\u00e4mlich das internationale Klubhaus, benannt nach Alexander von Humboldt. Sie veranstalteten ein Sit-in, das 4 Wochen dauerte, und benannten das Haus nach Che-Guevara, kurz \u201eChe\u201c, alles in allem eine Aktion, die die Mentoren und die Frau Vorsitzende ma\u00dflos emp\u00f6rten. Aus der Humboldt-Haus-Besetzung wurde die Che-Aktion mit endlosen Diskussionen \u00fcber studentische Selbstverwaltung. Die Studenten forderten, zum Teil mit Unterst\u00fctzung einiger \u201eprogressiver Professoren\u201c, Reformen nicht nur im Humboldt-Haus, sondern auch im Studienkolleg und im Akademischen Auslandsamt. Frau Professor Schachner feierte damals gerade ihren 65. Geburtstag und hatte nach Meinung ihrer Mentoren, \u201ewei\u00df Gott, was Besseres verdient, als sich mit Revoluzzern herumzuschlagen\u201c. Nach 10-j\u00e4hriger Amtszeit legte sie 1972 das Amt als Vorsitzende des Senatsauschusses f\u00fcr das Auslandsamt nieder; ihrer T\u00e4tigkeit verdankt die Hochschule wesentliche Impulse zur Entwicklung der internationalen Beziehungen.<\/p><p>Frau Schachner war Mitglied zahlreicher in- und ausl\u00e4ndischer wissenschaftlicher Gesellschaften und geh\u00f6rte viele Jahre dem Lagerst\u00e4ttenausschu\u00df der Gesellschaft Deutscher Metallh\u00fctten- und Bergleute an. 1981 wurde sie Ehrenmitglied der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft. Als Gutachterin f\u00fcr die Deutsche Forschungsgemeinschaft und als Mitglied der DFG-Senats-kommission f\u00fcr Geowissenschaften wurde ihre Erfahrung besonders gesch\u00e4tzt.<\/p><p>Ihre Verdienste um die Fakult\u00e4t f\u00fcr Bergbau und H\u00fcttenwesen und die Technische Hochschule lassen sich weder durch Aufz\u00e4hlung von \u00c4mtern noch durch sonstige Zahlen quantitativ erfassen. Durch ihre Pers\u00f6nlichkeit hat sie das Ansehen unserer Hochschule im In- und Ausland gemehrt. Der pers\u00f6nlichen Initiative von Doris Schachner ist es zu verdanken, da\u00df die Auslandsbeziehungen der Hochschule und des Mineralogischen Instituts intensiviert wurden; dadurch wurde der wissenschaftliche Austausch angeregt und freundschaftliche Beziehungen zu Fachkollegen im Ausland gekn\u00fcpft. &#8211; 1984 wurde ihr in Anerkennung ihrer Verdienste die W\u00fcrde einer Ehrensenatorin der RWTH Aachen verliehen. In seiner Laudatio anl\u00e4\u00dflich dieser Ehrung sagte Professor Helmut Winterhager: \u201eNach meiner Berufung als Nachfolger von Paul R\u00f6ntgen war ich nun Kollege von Doris Schachner in der Fakult\u00e4t f\u00fcr Bergbau und H\u00fcttenwesen, und hatte so Gelegenheit, bei vielen gemeinsamen Sitzungen und Veranstaltungen all die Eigenschaften kennen und sch\u00e4tzen zu lernen, die wir an ihr bewundern, und die sie zu \u201eunserer Doris\u201c werden lie\u00dfen.\u201c<\/p><p>Auch nach ihrer Emeritierung war sie noch viele Jahre t\u00e4glich im Institut und freute sich auf die Stunden am Erzmikroskop. Sie hat das Leben als Hochschullehrer und ihr Privatleben nie streng voneinander getrennt. Ihre Tochter Melitta &#8211; heute Professorin f\u00fcr Biochemie und Leiterin des Instituts f\u00fcr Biosynthese Neuraler Strukturen an der Universit\u00e4t Hamburg &#8211; begleitete sie auf vielen Exkursionen und ihr Mann nahm mit Begeisterung als ihr Begleiter an Internationalen Geologie-Kongressen teil.<\/p><p>Namhafte Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Bergbau- und H\u00fcttenindustrie &#8211; und auch namhafte sp\u00e4tere Hochschullehrer &#8211; sa\u00dfen einst als Studenten zu ihren F\u00fc\u00dfen und haben sie als Professorin verehrt. Ihre Kollegen und Sch\u00fcler holten sich in schwierigen Situationen ihren Rat und sch\u00e4tzten ihr breites, fachkundiges Wissen und ihr menschliches Urteil.<\/p><p>Professor G\u00fcnther Friedrich<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Doris Schachner (bis 1938 Doris Korn) wurde am 30.5.1904 in Zwickau geboren. Sie geh\u00f6rte zu den ersten M\u00e4dchen, die nach dem ersten Weltkrieg auf der Liselotte Schule in Mannheim eine vollst\u00e4ndige Realgymnasialausbildung mit dem Abitur abschlie\u00dfen konnte. 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